Fragen und Antworten rund ums Projekt

Q&A

1. Was genau untersucht das Projekt „Dein Feed, Deine Wahl“?

Im Projekt „Dein Feed, Deine Wahl“ wird untersucht, welche politischen Inhalte Menschen auf TikTok tatsächlich sehen und welche Rolle personalisierte Empfehlungsalgorithmen dabei spielen.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein die Frage, welche Parteien und politischen Akteure Inhalte auf TikTok veröffentlichen. Entscheidend ist vielmehr, welche Inhalte bei unterschiedlichen Nutzer:innen in ihren individuellen Feeds ankommen.

Dafür werden freiwillig gespendete TikTok-Nutzungsdaten rund um die Landtags- und Abgeordnetenhauswahlen im September 2026 in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt gesammelt und analysiert. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, politische Informationsräume auf TikTok besser zu verstehen und mehr Transparenz über die Rolle von Plattformen und Empfehlungsalgorithmen in der politischen Öffentlichkeit zu schaffen.

2. Wann liegen erste Ergebnisse vor?

Auf https://dein-feed-deine-wahl.de/ können jederzeit die aktuellen Veröffentlichung der Videos von politischen Parteien eingesehene werden. Die Datenerhebung findet rund um die Wahlen im September 2026 statt. Anschließend werden die Daten aufbereitet, anonymisiert und wissenschaftlich ausgewertet. Erste Ergebnisse werden nach Abschluss der erforderlichen Datenaufbereitung und Qualitätssicherung veröffentlicht.
Wir planen eine erste Blitzauswertung für Mitte Oktober 2026, fundierte Analysen erst zum Ende des Jahres.
Ergebnisse bereits am Wahlabend sind nicht vorgesehen. Die Datenspende dient einer wissenschaftlichen Auswertung der individuellen TikTok-Informationsumgebungen und nicht einer kurzfristigen Wahlberichterstattung.

3. Warum ist es überhaupt wichtig zu wissen, was TikTok einzelnen Menschen zeigt?

Politische Information findet zunehmend auf digitalen Plattformen statt. Gerade TikTok ist für viele Menschen eine wichtige Informations- und Kommunikationsplattform.

Für die demokratische Öffentlichkeit ist deshalb relevant, welche politischen Informationen Menschen tatsächlich erreichen. Es reicht nicht aus, nur zu untersuchen, welche Inhalte Parteien veröffentlichen. Entscheidend ist auch, welche davon durch personalisierte Empfehlungssysteme sichtbar werden. Das Projekt hilft auch dabei, den Algorithmus besser zu verstehen.

Das Projekt schafft eine empirische Grundlage, um diese individuellen Informationsräume besser zu verstehen und die Rolle von Plattformen bei der politischen Information sichtbar zu machen.

4. Kann TikTok Wahlen beeinflussen?

Das Projekt untersucht einen möglichen Einfluss von TikTok auf politische Informations- und Meinungsbildungsprozesse. Es belegt jedoch nicht automatisch, dass TikTok Wahlergebnisse verursacht oder einzelne Wahlen entscheidet.

Untersucht wird zunächst, welche politischen Inhalte Menschen auf TikTok tatsächlich sehen, welche politischen Akteure in ihren Feeds vorkommen und wie sich diese Informationsumgebungen unterscheiden. Dies wird abgeglichen mit politischen Einstellungen und der Wahlentscheidung.

Diese Erkenntnisse können dazu beitragen, die Bedeutung von Plattformen für politische Information und Meinungsbildung besser einzuschätzen. In einem Teil der Analyse wird versucht, Veränderungen in Wahlentscheidung und Einstellungen zu erklären.

5. Zeigt TikTok besonders viele Inhalte der AfD oder anderer politischer Ränder?

Das Projekt untersucht unter anderem, welche Parteien und politischen Akteure in den gespendeten Feeds vorkommen und wie häufig Nutzer:innen mit ihren Inhalten in Kontakt kommen.

Dabei wird nicht von vornherein eine bestimmte politische Partei oder politische Richtung als besonders relevant vorausgesetzt. Die Ergebnisse sollen empirisch zeigen, welche politischen Informationsumgebungen tatsächlich entstehen.

Auch die Sichtbarkeit extremistischer oder demokratiegefährdender Inhalte kann Gegenstand der Analyse sein. Entscheidend ist dabei eine wissenschaftlich differenzierte Betrachtung: Untersucht wird, welche Inhalte tatsächlich in den Feeds vorkommen, wie häufig sie dort erscheinen und in welchem Kontext sie Nutzer:innen begegnen.

Aus der Datenerhebung zur Bundestagswahl 2025 liegen bereits wissenschaftliche Erkenntnisse vor. Es hat sich gezeigt, dass Die Linke, die Grünen, die AfD und die CDU/CSU am erfolgreichsten auf TikTok waren – jedoch auf unterschiedliche Art und Weise: Während Die Linke und die Grünen mit eigenen Postings eine vergleichsweise hohe Reichweite (auch in den Feeds anderer Wählergruppen) erzielen konnten, waren AfD und CDU/CSU über ihre eigene Wählergruppe hinaus vor allem durch Videos erfolgreich, die über diese Parteien berichten. Ob in diesen Videos positiv oder negativ berichtet wurde, hat diese erste Studie noch nicht erhoben.

Es wurde auch nicht untersucht, ob dies in Relation zu den Wahlerfolgen der jeweiligen Parteien stand (siehe eine vorläufige Veröffentlichung der Ergebnisse). Die aktuelle Untersuchung führt diesen Ansatz im Kontext der Wahlen 2026 weiter und ermöglicht vergleichende Analysen.

6. Welche Daten müssen Teilnehmer:innen dafür an das Weizenbaum-Institut übermitteln? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein?

Die Teilnahme erfolgt über eine freiwillige Datenspende. Je nach gewähltem Verfahren können dabei Informationen über die individuelle TikTok-Nutzung übermittelt werden.

Aus den Daten, die TikTok über die Nutzenden speichert, wird nur ein kleiner Teil erhoben und für die Analyse verwendet. Hierbei geht es vor allem um die angezeigten Videos, Interaktionen mit Inhalten (z.B. Liken und Teilen). Daten wie Accountnamen, Shopping-Verhalten im TikTok-Shop, oder die Inhalte von privaten Nachrichten werden nicht erhoben.

7. Sind die Daten wirklich anonym? Kann das Weizenbaum-Institut erkennen, wer hinter einem TikTok-Account steckt?

Der Schutz der Teilnehmenden ist ein zentraler Bestandteil des Projekts. Die Datenspende erfolgt freiwillig und nach den datenschutzrechtlich vorgesehenen Informationen und Einwilligungen.

Für die wissenschaftliche Auswertung werden die Daten so verarbeitet, dass keine unmittelbare Identifizierung einzelner Teilnehmender aus den Forschungsdaten erfolgen soll. Personenbezogene beziehungsweise identifizierende Informationen werden entsprechend den Datenschutzvorgaben behandelt.

8. Was passiert mit den gespendeten Daten? Werden sie an TikTok oder andere Unternehmen weitergegeben?

Die gespendeten Daten werden nicht für kommerzielle Zwecke genutzt und nicht an TikTok zur Nutzung durch das Unternehmen weitergegeben.

Bei der Untersuchung zur Bundestagswahl 2025 waren unter anderem die Universität Zürich sowie Datenjournalist:innen des Bayerischen Rundfunks und der Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten beteiligt.

9. Wie repräsentativ sind die Ergebnisse, wenn Menschen freiwillig ihre Daten spenden? Wie viele nehmen im Schnitt teil?

Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, so wie ein Grossteil der sozialwissenschaftlichen Forschung. Dies liegt an zwei Gründen: Selbst wenn wir mit Befragungsunternehmen zusammenarbeiten, die Menschen in eine Stichprobe auswählen die eine ähnliche Zusammensetzung wie die deutsche Bevölkerung, spendet nur ein Teil dieser Menschen seine Daten und es kann zu Verzerrungen hinsichtlich Alter, Geschlecht, Privatssphäre-Einstellungen, etc. kommen.
Außerdem rufen wir in dem Projekt Wählerinnen und Wähler direkt auf, ihre Daten zu spenden. Diese ungesteuerte Möglichkeit der Teilnahme bringt weitere Verzerrungen mit sich, z.B. ein anderes angegebenes Wahlverhalten als in den offiziellen Wahlen.

Wir können also nicht sagen, wie TikTok in Deutschland oder einzelnen Bundesländern Wahlen beeinflusst oder nicht. Wir können aber die Mechanismen, die dahinter stehen besser verstehen.

Dennoch arbeiten wir den bestmöglichen Daten und sozialwissenschaftlichen Standards, die eine Aussagekraft der Ergebnisse sicher stellen.

10. Können Sie mit den Daten den TikTok-Algorithmus entschlüsseln?

Nein. Mit den Daten lässt sich der Empfehlungsalgorithmus von TikTok weder vollständig offenlegen noch rekonstruieren.

Untersucht werden vielmehr die Ergebnisse personalisierter Empfehlungssysteme: Welche politischen Inhalte werden unterschiedlichen Nutzer:innen tatsächlich angezeigt? Welche politischen Akteure kommen in ihren Feeds vor? Wie unterscheiden sich die individuellen Informationsumgebungen?

11. Was hat die Datenerhebung zur Bundestagswahl 2025 bereits gezeigt?

Bei der ersten Datenerhebung im Rahmen des Projekts zur Bundestagswahl 2025 beteiligten sich mehr als 900 TikTok-Nutzer:innen. Die damalige Untersuchung hat zusammenfassend folgendes gezeigt:

  1. Politische Inhalte sind im Feed präsent und nehmen zur Wahl hin zu: In den zwei Monaten vor der Wahl machten politische Inhalte zusammen mit traditionellen Nachrichten (1.62%) durchschnittlich 8,44 % der angesehenen Videos in den TikTok-Feeds der Nutzer aus. Dieser Anteil kletterte von ca. 2% Anfang Januar bis auf 10% am Wahltag.
  2. Starke Übereinstimmung zwischen Wahlentscheidung und Feed: Es besteht eine deutliche Übereinstimmung zwischen der Wahlentscheidung der Nutzer und den Inhalten, die ihnen in ihrem Feed ausgespielt wurden. Nutzende bekamen Beiträge der Partei, die sie wählten, etwa 2,2- bis 2,7-mal häufiger angezeigt als Inhalte anderer Parteien.
  3. Unterschiedliche Wege zum Erfolg: "Die Linke" erzielte eine hohe Reichweite durch eigene Videos und parteinahe Influencer und erreichte damit aktiv Wähler auch aus anderen politischen Lagern während die AfD und CDU/CSU die Feeds primär deshalb dominierten, weil sie in der breiten Masse der nutzergenerierten Videos plattformübergreifend am häufigsten thematisiert und diskutiert wurden – unabhängig davon, ob dies positiv oder negativ geschah.

Die erhobenen Daten bilden die Grundlage für weitere wissenschaftliche Untersuchungen zur politischen Kommunikation und zu personalisierten Informationsumgebungen auf TikTok.

Die aktuelle Datenerhebung erweitert diesen Ansatz auf die Wahlen 2026. Dadurch können politische Informationsumgebungen im Kontext verschiedener Wahlen und Bundesländer untersucht und miteinander verglichen werden.

12. Was bringt das Projekt konkret für die Gesellschaft und für Wähler:innen?

Das Projekt schafft mehr Transparenz darüber, welche politischen Inhalte Menschen auf TikTok tatsächlich erreichen und wie unterschiedlich individuelle digitale Informationsumgebungen sein können.

Für die Forschung entstehen empirische Daten über politische Kommunikation auf einer wichtigen digitalen Plattform. Für die Öffentlichkeit können die Ergebnisse dazu beitragen, die Bedeutung personalisierter Empfehlungssysteme für politische Information und demokratische Meinungsbildung besser einzuordnen.

Teilnehmende erhalten zudem Einblicke in ihre eigene TikTok-Nutzungsumgebung. Darüber hinaus werden Bürger:innen über das Citizen-Science-Element des Projekts in den Forschungsprozess einbezogen.

Ziel ist es, eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für die gesellschaftliche Debatte über Plattformen, politische Information, algorithmische Empfehlungssysteme und demokratische Öffentlichkeit zu schaffen.

13. An wen können sich Presseanfragen richten?

Für Presseanfragen wenden Sie sich bitte direkt an das Kommunikationsteam des Weizenbaum-Instituts unter kommunikation@weizenbaum-institut.de.